Querlenker-Lager BMW E30, E36, Z1 und Z3

Die Vorderachse dieser BMW-Modelle ist recht empfindlich und schon leicht ausgeschlagene oder verschlissene Lager machen sich durch schwammiges Fahrverhalten, ein zitterndes Lenkrad oder ein „Rubbeln“ beim Bremsen bemerkbar. Der Querlenker besitzt hier drei Lager (Abbildung 1): A) das Radführungsgelenk vorne außen am Federbein, B) das mittige Traggelenk, welches den Querlenker mit dem Achsträger verbindet, und C) das hintere Querlenker-Lager, welches den Querlenker mit dem Längsträger des Chassis verbindet.
Das hintere Querlenker-Lager besteht aus einer äußeren Metallhülse und einem Metallkern, der zentrisch in einen Gummikranz eingebettet ist. Das Lager selbst wird in einen Lagerring mit außenliegendem Halter aus Gußeisen eingepresst, der mittels zweier Schrauben am Längsträger des Fahrzeuges verschraubt wird. Das Lager ist bei allen BMW E30, E36, Z1 und Z3 baugleich, davon ausgenommen die entsprechenden M-Modelle. Die M-Modelle haben entweder exzentrische (E30 M3 oder E36 M3 3.0) oder zentrische Vollgummi-Lager (E36 M3 3.2 und Z3 M-Roadster).
Die serienmäßig verbauten Lager sind sehr weich ausgeführt und neigen schnell zum Verschleiß. Das ist neben der recht weichen Gummi-Mischung dadurch bedingt, dass der Gummikranz den inneren Metallkern nur etwa zur Hälfte einschließt (Abbildung 3 links). Der Zapfen des Querlenkers kann sich dadurch auf der Querachse des Fahrzeuges bewegen, was sowohl längs- als auch quergerichtete Radbewegungen zur Folge hat. Sind diese Lager stark verschlissen macht sich das durch ein „Rubbeln“ bei starken Bremsungen und schwammiges Fahrverhalten bemerkbar.
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Abb.1: Überblick der Vorderachslager am Beispiel E30
Langfristige Lösung:
Sollte der Tausch des hinteren Querlenker-Lagers notwendig sein gibt es nur eine Empfehlung: Das deutlich stabilere und langlebigere Vollgummi-Lager der E36 M-Modelle verbauen. Hier ist besonders das zentrische Vollgummi-Lager interessant, welches werkseitig nur beim E36 M3 3.2 (321 PS) und beim Z3 M-Roadster verbaut wurde (Abbildung 3 rechts). Das passt auch bei allen E30, E36, Z1 und Z3 und kann einfach gegen das Serienlager ausgetauscht werden. Durch die zentrische Aufnahme für den Querlenker-Zapfen wird die Achsgeometrie nicht verändert und es ist nach dem Austausch keine Achs- bzw. Spurvermessung notwendig.
Nicht geeignet sind diese Lager allerdings bei Fahrzeugen, die schon ab Werk exzentrische Querlenker-Lager besitzen, um den Nachlauf des Vorderrades durch Verlängerung des Radstandes zu vergrößern (E30 M3 ab 9.1987, E36 M3 3.0 und E36 M3 GT/Avus).
Durch den annähernd massiven Gummikern sind diese Lager deutlich stabiler, haltbarer und langlebiger als die weichen Serienlager. Die Vorteile dieser Querlenker-Lager sind besonders beim Bremsen und bei Kurvenfahrten spürbar, ohne dass merkliche Einbußen beim Fahrkomfort in Kauf genommen werden müssen. Ähnliche Querlenker-Lager ließen z.B. auch Alpina und Hartge für Ihre Fahrzeuge fertigen.
Besonders empfehlenswert ist das Produkt von Lemförder (Nr. 2057801).
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Abb.2: Querlenkerlager Serie und E36 M3 3.2 im Vergleich
Austausch:
Die Querlenker-Lager sind, wie alle Achslager, immer paarweise zu tauschen. Zum Austausch muss der Halter durch Herausdrehen der zwei Schrauben vom Längsträger gelöst werden und es empfiehlt sich den Querlenker komplett auszubauen. Das ist nicht zwingend notwendig, aber es ist deutlich komfortabler. Vor dem Ausbau der Lager sollte die Position auf dem Querlenker-Zapfen markiert werden.
Das Lager selbst kann meist durch Dreh- und Hebelbewegungen vom Querlenker gelöst und abgezogen werden. Danach wird der Gummikranz zerschnitten und der äußere Metallring des Lagers entweder mit Hammer und Schraubenzieher/Meißel an ein oder zwei Stellen nach innen geschlagen oder aufgesägt, womit er sich vom Halter löst. Beim Sägen unbedingt darauf achten, dass der Innenring des Halters nicht beschädigt wird!
Das neue Lager wird fettfrei (!) von der abgeschrägten Seite des Halters her eingepresst. Dafür ist eine hydraulische Presse notwendig, weil mit einem Schraubstock meist nicht die notwendige Kraft ausgeübt werden kann. Beim Ansetzen der Lagers unbedingt auf die Markierung am Lager und am Halter achten, damit es nicht verdreht eingepresst wird (Abbildung 2)! Das hätte ein schwammiges Fahrverhalten zur Folge und man darf die Arbeit noch einmal machen.
Danach kann das Lager wieder auf den Querlenker-Zapfen geschoben werden. Dabei auf keinen Fall Fett verwenden! Hilfreich sind Terpentin-Ersatz oder handelsübliches „Spüli“, welche sich verflüchtigen. Die zwei Schrauben des Halters werden mit einem Anzugsmoment von 50Nm am Längsträger verschraubt. Unmittelbar nach der Montage sollte das Fahrzeug in Normallage gebracht und ca. 30 Minuten lang nicht mehr bewegt werden, damit sich das o.g. Gleitmittel verflüchtigen und das Lager auf dem Zapfen „festsaugen“ kann. Wurde der Querlenker komplett ausgebaut sind die selbstsichernden Muttern der Radführungs- und Traggelenke zu ersetzen.
Anzugsmomente:
– Radführungsgelenk 65Nm
– Traggelenk 90Nm.
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Abb.3: Einbauposition am Beispiel E30
Arbeiten an Fahrwerks-Komponenten sind sicherheitsrelevant und sollten nur von geschultem Personal oder mit entsprechender Fachkenntnis durchgeführt werden! [FH]
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