Kupplungsbetätigung beim Anlassen des Motors

Kupplungsbetätigung beim Anlassen des Motors

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob beim Motorstart die Kupplung getreten werden sollte – oder nicht. Bereits in der ersten praktischen Fahrstunde lernt man, dass die Kupplung aus Sicherheitsgründen zu treten ist. Ebenso soll die Anlasserbelastung durch eine ausgerückte Kupplung gesenkt werden, da die Getriebeeingangswelle beim Start nicht mitlaufen sollte.
„Das Treten der Kupplung stellt zu dem sicher, dass das Fahrzeug beim Anlassen „keinen Satz“ nach vorne macht“. Viele moderne Autos, besonders aber welche mit Start-Stop-Automatik, lassen sich sogar nur mit getretener Kupplung starten.

Tatsächlich aber ist das Treten der Kupplung beim Anlassen auf lange Sicht gesehen für diverse Bauteile eher schädlich und sollte besser vermieden werden. Wer bei eingelegtem Gang und ohne Kupplungsbetätigung den Motor startet, sollte das Führen eines Kraftfahrzeugs grundsätzlich überdenken bzw. vermeiden.

Wieso ist das Treten der Kupplung beim Motorstart schädlich?
Ohne eingelegten Gang dreht der Anlasser ausschließlich die Kurbelwelle des Motors und die Eingangswelle des Getriebes. Die Vorgelegewelle wird beim Anlassvorgang nicht bewegt. Bei getretener Kupplung drückt das Ausrücklager auf die Federn der Kupplungsdruckplatte und dieser nicht unerhebliche Druck wird über die Druckplatte auf das Schwungrad und über das Schwungrad auf die Kurbelwelle übertragen. Diese wird gegen ihr Axiallager gedrückt, welches noch ohne Schmierung ist, da beim Motorstart der Öldruck erst aufgebaut wird. Erhöhter Lagerverschleiß kann die Folge sein. Wenn der Motor ersteinmal läuft ist das beim Kuppeln nicht mehr der Fall, weil Axiallagerstellen und Lagerschalen aufgrund des Öldrucks durch einen dünnen Schmierfilm voneinander getrennt sind.

Aber auch andere Bauteile des Motors können durch das Treten der Kupplung beim Anlassen in Mitleidenschaft gezogen werden. So können Zahnriemen oder Steuerketten minimal verspannt und die Pleuelstangen leicht verwinkelt werden, wodurch auch an den Pleuellagerschalen höherer Verschleiss auftritt. Auf lange Zeit gesehen ist also das Treten der Kupplung beim Anlassen eher schädlich und es wird davon abgeraten.

Die vermeindliche Mehrbelastung des Anlassers hingegen ist im Leerlauf sehr gering, da er ja wie oben genannt, abgesehen vom Motor lediglich die Getriebe-Eingangswelle in eine Drehbewegung versetzen muss. Das macht dem Anlasser, der ohnehin stark genug ist, nur wenig aus und selbst ein defekter Anlasser ist weniger schlimm und kostspielig, als erhöhter Lagerverschleiß des Motors.

Ebenso sollte das Warten an Ampeln, Ausfahrten, Bahnübergängen nicht mit betätigter Kupplung geschehen. Ausrücklager sowie Tellerfeder und Tangentialelemente der Druckplatte sollten nur kurzzeitig – eben zum Trennen des Kraftflusses von Motor zu Getriebe – betätigt werden. Diese sind nicht für eine Dauerbelastung ausgelegt und zeigen bei regelmäßige andauernder Betätigung verfrühte Ausfallerscheinungen. Z.B. rutschende Kupplungen durch nachlassenden Anpressdruck der Tellerfeder oder Geräusche vom Ausrücklager können die Folge sein.

Kurzum kann man sagen: Eine Kupplung sollte ausschließlich zum Wechseln der Fahrstufen betätigt werden. Diese ist der Grundstein für eine lange Lebensdauer der Kupplungsbauteile und der Peripherie. [FH]

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